Actuel

  13.11.2005  
Leistenhernienoperation Offen oder endoskopisch?

„Risiko Leistenbruch-OP“

Die endoskopische „Schlüssellochchirurgie“ gilt gemeinhin als besonders schonend und komplikationsarm. Auch Leistenbruchoperationen werden in vielen Krankenhäusern inzwischen überwiegend endoskopisch vorgenommen – nicht zuletzt, weil die Patienten es so wünschen. Tatsächlich verkürzt sich die Verweildauer im Krankenhaus bei dieser Methode von fünf auf vier Tage, die Patienten können früher aufstehen und haben weniger Schmerzen. Dafür jedoch treten schwere Komplikationen bei der Schlüssellochtechnik zehnmal öfters auf – nämlich bei einem von einhundert Eingriffen. Eine Aufklärung auf der Basis der evidenzbasierten Medizin könnte den Patienten helfen, eine qualifiziertere Entscheidung über die von ihnen gewünschte Operationstechnik zu fällen.
Spiegel-Artikel vom 26/09/2005 über „Evidenzbasierte Medizin“

„Evidenzbasierte Medizin zu betreiben heißt, die eigene klinische Erfahrung zu verbinden mit dem besten zur Verfügung stehenden Wissen aus systematischer Forschung“

Grundlage des oben genannten Artikels ist eine wissenschaftlich Untersuchung „Open mesh versus Laparoscopic Mesh Repair of Inguinal Hernia“ von Neumayer/Giobbie-Hurder in NEJM: 350, 1818 (2004)

Die folgende Tabelle fasst die untersuchten Aspekte zusammen:

Aspekte : Offene Netztechnik / Laparoskopisch (Endoskopie)

Rezidivrate : 5 % / 10 %
OP-Komplikationen : 2 % / 5 %
Post OP-Komplikationen : 20 % / 25 %
Lebensbedrohliche Komplik : 0,1 % / 1,1 %
Schmerzen : Etwas mehr / Etwas weniger
Krankheitsdauer : 5 Tage / 4 Tage

Die Schlüsseloch-Verfahren haben demnach eine deutlich höhere Rezidiv- und vor allem Komplikationsrate.