MVZ Kirchheim - Abteilung Chirurgie
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Leistenbruch

Der Leistenbruch und seine Gefahren
Ein Leistenbruch ist eine Ausstülpung des Bauchraumes, die Bauchfett, Anteile von Darm oder Blase und bei Frauen manchmal auch einen Eierstock enthalten kann. Diese Ausstülpung findet sich meistens an der anatomischen Schwachstelle, wo beim Mann der Samenstrang und bei der Frau das Mutterband durch die Bauchwand tritt.
 
Ein komplikationsloser Leistenbruch ist keine gefährliche Erkrankung. Die häufig stärkeren Schmerzen während der Ausbildung des Bruches werden später geringer, die Beschwerden beim Heben, Lachen, Husten u.a. sind sehr verschieden ausgeprägt oder können auch gar nicht vorhanden sein.
 
 In seltenen Fällen kann der Bruchinhalt (z.B. Darm) in der Bruchpforte einklemmen. Ein daraus resultierender Darmverschluß oder eine Bauchfellentzündung können zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Bei Männern kann der Druck des Leistenbruches auf den Samenstrang zu einer Schädigung des Hodens führen. Eine Rückbildung des Bruches ohne operative Therapie gibt es nicht.

 
 
Behandlungsmöglichkeiten
Die Größe des Leistenbruches nimmt im allgemeinen im Laufe von Monaten bis Jahren immer mehr zu. Bruchband oder Stützkorsette sind in vielen Fällen eher schädlich als nützlich, keinesfalls tragen sie zur Heilung bei.
 
Bei der operativen Versorgung wird über einen schrägen Schnitt in der Leiste der Bruch freigelegt. Nach Zurückschieben des Bruchinhaltes wird der Bruchsack unterbunden und abgetragen. Bei der herkömmlichen Methode wird durch Raffen der Muskulatur und der Muskelhaut der Leistenkanal verkleinert, bei Frauen auch ganz verschlossen. Bei Männern verbleibt Raum für den Samenstrang.
 
Aus der Vielfalt unterschiedlicher Operationsmethoden haben wir die Operation nach Lichtenstein, die vor allem seit langem in Amerika entwickelt und erprobt wurde, ausgewählt. Die Bauchlücke wird bei dieser Operationsmethode spannungsfrei mit einem Kunststoffnetz verschlossen.

 
Leistenbruch
 
 
Mit Ausnahmen sehr kleiner Brüche am Nabel und in der Bauchmittellinie ist die Versorgung mit dem Netz heute unser Verfahren der Wahl. Vorteile sind:
 
Die postoperativen Schmerzen sind wegen der kleineren Verletzung und der fehlenden Spannung erheblich geringer.
Das Wiederauftreten des Bruches ist erheblich seltener geworden.
Die bisher erhebliche Einschränkung der körperlichen Aktivität nach der Operation ist kaum mehr erforderlich.

 
Komplikationen
In der Regel verlaufen Bruchoperationen ohne Komplikationen. Trotz größter Sorgfalt können jedoch vereinzelt Zwischenfälle auftreten:

 
Leichte Nachblutungen und Blutergüsse treten gelegentlich in den ersten Tagen nach der Operation auf, bedürfen aber meist keiner Behandlung.
Wie bei jeder Operation kann es zu Wundheilungsstörungen kommen, Eiteransammlungen müssen eröffnet werden.
Das Risiko von Nebenverletzungen an Bauchorganen und Blutgefäßen ist selten, kann aber nach Voroperationen und bei schwierigen anatomischen Verhältnissen erhöht sein, Schädigungen können zu Bauchfellentzündungen, Verwachsungen und Darmverschluß führen.
Verletzungen von Hautnerven entstehen bei jedem Hautschnitt und können zu Taubheitsgefühl und Schmerzen führen.
Überschießende und störende Narben entstehen bei Veranlagung oder nach Wundinfektionen.
Thrombosen und Embolien sind sehr selten, können aber lebensbedrohliche Folgen haben. Zur Verringerung des Risikos bekommen Sie von uns Antithrombosespritzen.

 
Fragen an den Arzt, die man immer vergisst
 
Im Aufklärungsgespräch sollten Sie nach allem fragen, was Ihnen wichtig erscheint, so z.B.:
 
Gibt es noch anderer Operationsmethoden?
 
Gerade bei den Leistenbruchoperationen gibt es immer wieder die Frage nach der besten Operationsmethode. Entweder offene Verfahren mit Netz, wie z.B.; die von uns durchgeführte Operation nach Lichtenstein (siehe oben) oder endoskopische Operation mit Netz (=Schlüssellochchirurgie) über die Bauchhöhle. Zu diesem Thema einige Informationen:
 
"Risiko Leistenbruch-OP"
 
Die endoskopische "Schlüssellochchirurgie" gilt gemeinhin als besonders schonend und komplikationsarm. Auch Leistenbruchoperationen werden in vielen Krankenhäusern inzwischen überwiegend endoskopisch vorgenommen - nicht zuletzt, weil die Patienten es so wünschen. Tatsächlich verkürzt sich die Verweildauer im Krankenhaus bei dieser Methode von fünf auf vier Tage, die Patienten können früher aufstehen und haben weniger Schmerzen. Dafür jedoch treten schwere Komplikationen bei der Schlüssellochtechnik zehnmal öfters auf - nämlich bei einem von einhundert Eingriffen. Eine Aufklärung auf der Basis der evidenzbasierten Medizin könnte den Patienten helfen, eine qualifiziertere Entscheidung über die von ihnen gewünschte Operationstechnik zu fällen.
Spiegel-Artikel vom 26/09/2005 über "Evidenzbasierte Medizin"
 
"Evidenzbasierte Medizin zu betreiben heißt, die eigene klinische Erfahrung zu verbinden mit dem besten zur Verfügung stehenden Wissen aus systematischer Forschung"
 
Grundlage des oben genannten Artikels ist eine wissenschaftlich Untersuchung "Open mesh versus Laparoscopic Mesh Repair of Inguinal Hernia" von Neumayer/Giobbie-Hurder in NEJM: 350, 1818 (2004)
 
Die folgende Tabelle fasst die dort untersuchten Aspekte zusammen:
 
Aspekte Offene Netztechnik Laparoskopisch (Endoskopie)
Rezidivrate 5 % 10 %
OP-Komplikationen 2 % 5 %
Post OP-Komplikationen 20 % 25 %
Lebensbedrohliche Komplik. 0,1 % 1,1 %
Schmerzen Etwas mehr Etwas weniger
Krankheitsdauer 5 Tage 4 Tage

Die Schlüsseloch-Verfahren haben demnach eine deutlich höhere Rezidiv- und vor allem Komplikationsrate.
 
Noch Interessanter Kostenvergleich der medianen Operationsgesamtkosten:
 
Offene Nahtverfahren ohne Netz: 484 Euro
Offen Netzverfahren (OP nach Lichtenstein wie bei uns durchgeführt): 514 Euro.
 
Endoskopische Schlüssellochchirurgie:
mit wiederverwendbaren Instrumenten 784 Euro
bei Einmalinstrumenten 2060 Euro
 
(aus einer Studie der Uni Hannover 2005)
 
 
Ambulante Operation
In unserer Praxis werden alle Operationen ambulant durchgeführt, das heißt, daß Sie direkt von Zuhause zur Operation kommen und nach der Operation nach einer ausreichenden Ruhezeit wieder zurück nach Hause gehen.

 
Die Operation wird üblicherweise in Narkose durchgeführt, bitte halten Sie sich an die Maßnahmen, die Ihnen vom Narkosearzt im Vorbereitungsgespräch mitgeteilt werden.
Damit wir hygienisch einwandfreie Bedingungen einhalten können, bitten wir Sie, am Operationsmorgen die Haare in der Leiste und die Hälfte der Schambehaarung zu rasieren, anschließend zu duschen und frische Wäsche anzuziehen. Einmalrasierer stellen wir ihnen zur Verfügung. Wenn Sie sich nicht rasieren wollen oder können, führen wir die Rasur auch gerne in der Praxis unmittelbar vor der Operation durch.
Nach der Operation verbringen Sie einige Stunden in unserem klinikgerechten Aufwachzimmer, bis sie nach einer Kontrolluntersuchung nach Hause entlassen werden können.
Sie können sich von einer Begleitperson mit dem PKW nach Hause bringen lassen. Wir veranlassen für Sie aber auch einen Transport mit dem DRK.
Nach Operationen in Narkose sind Sie am selben Tag manchmal müde, auch kann es beim Stehen oder Sitzen zu Kreislaufproblemen kommen. Beides läßt sich durch Hinlegen und Ausruhen einfach beheben. Ansonsten können Sie sich gerne den Beschwerden entsprechend frei bewegen.
Falls Sie Wundschmerzen bekommen, so nehmen Sie in den ersten Tagen von den rezeptierten Tabletten. Denken Sie daran, daß eine frühzeitig eingenommene Schmerztablette Ihnen ein stressfreies Ausruhen und Schlafen ermöglichen kann und hilft, im Endeffekt die Menge an eingenommenem Schmerzmittel zu vermindern.
Sie bekommen von uns nach der Operation eine kurze schriftliche Information mit nach Hause. Darauf finden Sie auch Telefonnummern, unter denen sie uns jederzeit erreichen können.

 
Durch das Angebot des Ambulanten Operierens möchten wir Ihnen ermöglichen, die Zeit vor und nach der Operation in Ihrer gewohnten, vertrauten Umgebung zu verbringen.
Es kann sein, daß wir einen ambulanten Eingriff aus gesundheitlichen Gründen nicht verantworten können. Auch stellen wir die grundsätzliche Bedingung, daß eine weitere Person für die ersten zwei Tage nach der Operation bei Ihnen anwesend ist.
Somit bitten wir Sie in begründeten Fällen, den Eingriff unter stationären Bedingungen durchfuhren zu lassen. Dies möchten wir auch, wenn Sie aus irgendwelchen Gründen Bedenken gegen das ambulante Vorgehen haben.

 
 
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