MVZ Kirchheim - Abteilung Chirurgie
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Diskussion zur Situation im ambulanten Gesundheitswesen im neuen Ärztezentrum

Seit Jahren wird im Gesundheitswesen Kooperation gepredigt, teils mit Blick auf gute Patientenversorgung, besonders aber als Reaktion auf die steigenden Kosten. Ernst machen mit dem Kooperationsgedanken jetzt die Mediziner im neuen Kirchheimer Ärztezentrum in der Steingaustraße. Mit den Worten „Dieses Haus ist ein Symbol dafür, dass wir unsere Position nicht aufgeben und uns dem Wettbewerb stellen“, eröffnete „Hausherr“ Dr. Fink, Arzt und Geschäftsführer des Zentrums, eine anregende Diskussion um das ambulante Gesundheitswesen.

von Irene Strifler aus dem Teckboten vom 21.07.2008 

Kirchheim. Dr. Fink stellte die Gründung des Ärztezentrums als Reaktion auf die Politik dar. Diese setze auf Wettbewerb. „Gesundheit ist aber kein marktfähiges Gut“, kritisierte er und verwies auf eine „urärztliche tiefe Motivation“ bei der Patientenbehandlung. Geld sei keineswegs die Haupttriebfeder, nahm er mögliche Vorwürfe vorweg. Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass niedergelassene Ärzte nur in Zusammenschlüssen Zukunftschancen hätten. Das Ärztezentrum ist als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) organisiert und umfasst auch eine Reihe von nichtärztlichen Gesundheitsanbietern.

In der Podiumsdiskussion sprach Moderator Werner Waldmann vom Esslinger Gesundheitsmagazin sogleich einen heiklen Punkt an: „Warum steht das Ärztezentrum hier und nicht am Krankenhaus?“ fragte er unter Beifall aus dem fachkundigen Publikum. Fink betonte, dass ein Zentrum am Krankenhaus durchaus der Wunsch der Niedergelassenen gewesen sei. So ging die Frage weiter an Franz Winkler, den Geschäftsführer der Kreiskliniken Esslingen. Er hatte zweifellos den schwierigsten Part auf dem Podium inne, musste er doch konkrete Entwicklungen vor Ort rechtfertigen und konnte nicht auf Beschlüsse aus dem fernen Berlin verweisen. Dabei zeigte er sich bemüht, die Gräben zwischen den niedergelassenen Ärzten im MVZ und dem Krankenhaus, die vor seiner Dienstzeit im Kreis Esslingen entstanden waren, zuzuschütten und alte Diskussionen um die Krankenhausstrukturreform nicht wieder auferstehen zu lassen. Bei einer Distanz von nur 300 Metern sei eine Vernetzung zwischen Krankenhaus und Ärztezentrum gut möglich, betonte er.

In gewisser Weise wird die Vernetzung bereits von Seiten des MVZ praktiziert. Dr. Fink verwies auf Aktivitäten von Ärzten aus den Kliniken Esslingen und Kirchheim in seinem Haus. In Anspielung auf die tatsächlich in manchen Bereichen bestehende Konkurrenz zwischen Krankenhäusern und Niedergelassenen betonte er, Abstimmung sei wichtig: „Man kann nicht kooperieren und doch konkurrieren.“ Die ambulante Versorgung sei nicht Aufgabe der Krankenhäuser, sondern der niedergelassenen Ärzte.

Franz Winkler verwies darauf, dass die Vorgabe des Esslinger Kreistags zum Inhalt habe, die Krankenhausstandorte zu erhalten und weiterzuentwickeln. Da diese alle der Grund- und Regelversorgung dienten, sei kein Spielraum für Marktabsprachen da. Im Mittelpunkt stehe für die Krankenhäuser aber klar die stationäre Versorgung der Bevölkerung. Kliniken und Niedergelassene kommen sich offenbar dennoch ins Gehege. Winkler sprach hier von „Schnittstellen“, etwa im Bereich des ambulanten Operierens. Symbolisch reichte der Geschäftsführer dem MVZ die Hand: Die Kreiskliniken seien zu jeder Form der Zusammenarbeit bereit – sofern diese sinnvoll sei, insbesondere für die Patienten.

„Es gibt Leistungen, die zwar ambulant möglich sind, aber der Apparate und der Räume bedürfen, die im Krankenhaus normalerweise vorhanden sind“, sprach sich auch Professor Dr. Jürgen Degreif, Chefarzt an der Klinik für Unfallchirurgie am Klinikum Esslingen, dafür aus, die Kliniken am ambulanten Bereich teilhaben zu lassen. Im Übrigen kämen die Kliniken gar nicht mehr darum herum, ihrerseits MVZs zu gründen. Dies ist auch in Esslingen der Fall.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich setzte ein Stück weit auf freie Marktentwicklung und betonte, dass die Politik keinen der Bereiche im Gesundheitswesen gefährden wolle. Mittlerweile gebe es über 1000 MVZs in Deutschland, teils auch von privaten Krankenhausbetreibern gegründet.

Die Bremse gelegentlich in Sachen Privatisierung zu ziehen, schien Dieter Kress sinnvoll. Der Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils sah das Problem möglicher mangelnder sozialer Verantwortung bei privaten Betreibern. Wettbewerb um jeden Preis dürfe es im Gesundheitswesen nicht geben. Er sprach zudem den Aspekt an, dass der Wettbewerb die Kosten nicht generell drücke, sondern durchaus auch steigere. Dem schloss sich Professor Degreif sofort an: Nicht alle medizinischen Leistungen, die erbracht würden, seien auch tatsächlich nötig. Damit deutete er die Gefahr an, dass die Indikation mitunter entsprechend der zu erwartenden Bezahlung für eine Leistung gestellt werde.

Dass nicht nur zwischen Kliniken und dem MVZ Berührungsängste denkbar sind, sondern auch niedergelassene Medizinier außerhalb die Neuerung kritisch beäugen, kam ebenfalls zur Sprache: „Sind Sie mit dem MVZ nicht ein Problem für die Niedergelassenen außerhalb, die ihre Selbstständigkeit bewahren wollen?“, fragte der Moderator. „Nein“, lautete die Meinung von Dr. Fink. Er verwies darauf, dass keine neue Konkurrenz in Kirchheim entstanden sei. Alle Praxen unter dem Dach des MVZ existierten bereits zuvor. Im Übrigen komme die starke Position des Ärztezentrums den Niedergelassenen ganz allgemein zugute.

Gelegenheit, sich zu beschnuppern und die zahlreichen angeschnittenen Themen zu vertiefen, bestand unter den geladenen Gästen aus Politik und Medizin nach der Diskussion noch reichlich. Gerne wurde das Angebot genutzt, das neue fünfstöckige Gebäude unter die Lupe zu nehmen.

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MVZ - Medizinisches Versorgungszentrum Kirchheim/Teck