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12.Juni 2007
Warum sich Mediziner aus Kirchheim/Teck dafür engagieren, dass eine heimatlos gewordene Mauersegler-Kolonie neue Nistplätze bekommt.
Stellen Sie sich vor, Sie kehren von einer langen und anstrengenden Fernreise zurück und müssen erkennen, dass Sie kein Zuhause mehr haben. Denn dieses ist während Ihrer Abwesenheit der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Genau dieses Schicksal hätte einer Kolonie von Mauerseglern gedroht, die im Kirchheimer Westen seit Jahren ein leer stehendes Druckerei-Gebäude als Brutplatz genutzt hatten. Im Herbst 2006 musste der Altbau dem neuen Ärztezentrum Kirchheim (ÄZK) weichen, das derzeit an gleicher Stelle entsteht. Dort werden die heimattreuen Zugvögel ab kommendem Jahr wieder dauerhafte Nistmöglichkeiten finden.
Behutsame Umsiedlung einer bedrohten Vogelart
Damit den jetzt aus Afrika zurückkehrenden Mauerseglern aber auch in diesem Frühsommer Brutplätze in vertrauter Umgebung zur Verfügung stehen, fanden am vergangenen Montag auf dem Areal des Briefhüllen- und Verpackungsherstellers BlessOF Wohnungsbaumaßnahmen der nicht alltäglichen Art statt.
Fotos: Heidi Buck
Unter fachkundiger Anleitung des Lenninger Försters und renommierten Ornithologen Wulf Gatter brachte die Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) 20 Spezialnistkästen in luftiger Höhe an: "Mauersegler gelten inzwischen als gefährdete Vogelart. Denn leider wird es für sie immer schwieriger, in unseren Städten geeigneten Brutraum zu finden. Die Segler halten oft lebenslang an einem einmal gewählten Brutplatz fest und tun sich sehr schwer damit, eine ihnen vertraute Gegend wieder zu verlassen. Wenn Gebäude, die sie zur Brut nutzen, abgerissen oder saniert werden, müssen wir also Ersatz schaffen. Dazu sind wir gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz sogar verpflichtet", erläutert Gatter, der auch Leiter des in Lenningen ansässigen Ökologischen Lehrreviers der Forstdirektion Tübingen ist. "Dieser Sachverhalt ist noch viel zu wenig bekannt. Hier in Kirchheim haben wir mit unserem Anliegen aber überall offene Türen eingerannt und viel Unterstützung erfahren."
Fotos: Heidi Buck
Neben der Firma BlessOF, die den Naturschützern gleich mehrere Gebäude zur vorläufigen Anbringung der Kästen angeboten hatte, beteiligte sich die Stadt Kirchheim aktiv an der Vogelhilfsaktion und stellte einen Hubsteiger samt Mitarbeiter bereit. Und auch Friedrich Fink und Kirsten Klein, den Geschäftsführern der ÄZK-Gesellschaft, lag das Wohl ihrer künftigen Untermieter für die Zeit des "Zwischenwohnens" am Herzen: für die zur Umsiedlung benötigten Spezialnistkästen übernahmen sie die Kosten in Höhe von 1.600 Euro.
Neues Ärztezentrum folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit
Mit gutem Beispiel voran gehen die beiden engagierten Mediziner auch als Bauherr des neuen Ärztezentrums. So wurde ökologischen Aspekten bereits während der Planungsphase eine wichtige Rolle eingeräumt; unter anderem werden im gesamten Gebäude ausschließlich Wärmepumpenheizungen installiert. Und auch an die Mauersegler ist natürlich gedacht: Nach Fertigstellung des Zentrums werden die gefiederten Mitbewohner artgerechte Brutplätze an den Dach- und Mauervorsprüngen sowie in Fensternischen vorfinden. "Wir verfolgen das Ziel, moderne Medizin, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen", berichtet Fink: "Es reicht nicht aus, ein bisschen umweltbewusst zu sein. Wir müssen vor allem im großen Stil nachhaltig handeln, wenn wir nicht wollen, dass die Zukunft unserer Kinder von schlechter Lebensqualität geprägt sein wird. Ich sehe mich da in der Pflicht", sagt der vierfache Vater und zeigt sich überzeugt, dass auch der Sachwert einer Immobilie künftig nur noch auf lange Sicht erhalten bleibt, "wenn wir positive neue technologische Entwicklungen jetzt aktiv fördern und nutzen und sie mit nachhaltigen Denk- und Handlungsansätzen verknüpfen."
Gut vorstellbar, dass von dieser Einstellung nicht nur die Mauersegler profitieren dürften, wenn das Ärztezentrum Kirchheim im Juni 2008 seine Pforten öffnen wird. |